Was macht Ihr, wenn Ihr z.B. einen Krawattenknoten binden müsst, aber keine Ahnung habt wie? Vermutlich macht ihr es wie die meisten Leute und sucht im Internet nach einer einfachen Lösung. Egal ob kochen, gärtnern oder Knoten knüpfen: Im Internet findet man Tutorials für eigentlich alles. Vielleicht kann also auch so ein hoffnungsloser Kunstversager wie ich über so ein Video lernen, wie man etwas zeichnet. Zum Beispiel ein Auge.
Der Plan war also klar: Ich wollte in einer Woche oder weniger lernen wie man ein menschliches Auge zeichnet. Möglichst anhand eines einzelnen YouTube-Tutorials. Utensilien, die nicht im Video genutzt werden darf ich zur Unterstützung verwenden.
Na dann! Ich habe einen Papier, angespitzte Bleistifte, einen eisernen Willen und viel Zeit. Was soll da schon schief gehen!
Tag 1
Nach ein wenig Recherche habe ich mich für dieses Video von Hayden entschieden:
https://www.youtube.com/watch?v=7OtpYO6-F_U&list=WL&index=43&t=156
Ich nahm mir vor ein Auge zu zeichnen, da es mir verhältnismäßig einfach erschien. Einfacher zumindest als ganze Gesichter oder irgendwelche Pflanzen.
Ich hatte keine Ahnung wie man so ein Video angeht. Deswegen habe ich es mir zuerst angesehen und nebenher die Kommentare gelesen. Die geben oft einen Eindruck davon wie „einfach“ das Tutorial ist… oder eben nicht.
Die ersten Kommentare haben mir bereits ein gutes Gefühl vermittelt:


Nach mehrmaligem Angucken des Videos ging es los: Ich versuchte mitzukritzeln, spulte das Video ein paar mal zurück bis irgendwann das heraus kam:

Alle weiteren Versuche dieses Tages sahen auch nicht wirklich besser aus. Meine Kreationen hätten als fehlgeschlagenes Bakterienexperiment durchgehen können. Oder als Augen eines sehr entstellten Comicbösewichts, der alleine aufgrund seiner Augen jede Berechtigung dazu hat böse zu sein.
Ich brauchte einen neuen Plan.

Tag 2
Eine Nacht später ist dieser fertig: Anstelle zu versuchen das ganze Auge in einem Stück durchzumalen, konzentriere ich mich zunächst auf einen Teil des Auges. Den zeichne ich dann so lange bis er sitzt. Am Schluss füge ich alles zusammen und fertig ist das Auge.
Zunächst geht es um die Form. Hayden fängt mit einer Art Parallelogramm an (kann sein, dass ich zuerst googlen musste was ein Parallelogramm ist).
Grundsätzlich klappt das schon ganz ok. Wichtig ist nur, dass man einen angespitzten Bleistift nutzt. Nachdem man die Ecken des Parallelogramms abgerundet hat, kommt das der Form eines Auges schon ziemlich nahe:

Irgendwann bekam ich außerdem das Gefühl, dass die Augenumrisse immer mehr wie Tschechien aussahen.

Tag 3
Ernüchtert vom letzten Tag beschloss ich die Augenform links liegen zu lassen und mich um die Iris zu kümmern.
Hayden zeichnet den Kreis innerhalb des Auges von Hand. Da ich mein Geschick kenne, hole ich mir einen Zirkel zur Hilfe und übe separat.
Hier fällt mir auf was mich an diesem Tutorial stört: Es gibt nur sehr wenige Erklärungen wie man etwas macht. Ich habe mir die Stelle mit der Iris ein paar mal angeguckt, alleine um zu sehen wie man die einzelnen Details zeichnet.
Das Resultat kann sich aber durchaus sehen lassen:

Nach jeder erfolgreich gemalten Iris, stellte ich den Umfang meines Zirkels kleiner ein, um auf eine realistische Größe zu kommen. Mit der Form meiner Augen war ich allerdings immer noch nicht zufrieden. Nach ein paar weiteren Versuchen, habe ich schließlich beschlossen den Tipp mit dem Parallelogramm sein zu lassen. Stattdessen orientiere ich mich an meinem Auge und zeichne eine langgezogene Ellipse. Am Ende des dritten Tages ist mir dann irgendwann das gelungen:

Tag 4
Iris: Passt!
Form: Passt!
Rest: Kommt jetzt!
Das was noch fehlt sind Wimpern und Augenbrauen. Hayden zeichnet für die Augenbrauen in ihrem Tutorial Hilfslinien. Eine führt vom Tränenpunkt gerade nach oben. Die andere führt auf der anderen Seite das untere Augenlied fort. In diesem Zwischenraum kann man dann loslegen. Ich bin absolut kein Fan von nachgezeichneten Augenbrauen. Die sehen im echten Leben schon schlimm aus. Aus diesem Grund habe ich zunächst ein Dreieck vorgezeichnet und dieses dann mit langgezogenen Strichen ausgemalt bzw. übermalt, um die Braue natürlicher aussehen zu lassen.
Die Wimpern waren wiederum eine ganz andere Liga. Viele User haben sich in den Kommentaren unter dem Video beschwert, dass sie das Auge an sich gut zeichnen können, jedoch an den Wimpern scheitert. Auch mir wollen diese einfach nicht gelingen. Kurzzeitig überlege ich sogar ein Malbuch meiner Mutter zur Hilfe zu ziehen und meine eigenen Regeln zu brechen. Ich will standhaft bleiben! Also schaue ich mir Haydens Video immer wieder an. Teilweise in absoluter Zeitlupe (auch hier wird nichts erklärt), um zu sehen wie sie diese Wimpern malt.
Nach mehreren Fehlversuchen konnte ich mir die Bewegung schließlich einprägen. Der Stift streift das Blatt nur leicht, man malt von oben nach unten eine C-Form und bewegt sich dann langsam vorwärts.
Nachdem nun also alle Teile bereit waren, war es an der Zeit für das Finale.
Ein kleines Auge wäre viel zu langweilig gewesen (außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass ich bei einem kleinen Auge nichts richtig hinbekommen hätte).
Deswegen habe ich nach vier Tagen, etlichen Fehlversuchen und gefühlt 500 mal vor- und zurückspulen in Haydens Video das hier geschaffen:

Ich hätte echt nicht gedacht, dass am Ende meines Selbstversuchs dieses Ergebnis herauskommt.
Nun können Zeichen-Tutorials so gut sein wie sie wollen, alle Fragen werden in vielen von ihnen aber nicht geklärt. Deswegen habe ich versucht ein paar Tipps für euch zusammenzutragen:
Das war der vorerst letzte Blogbeitrag für „Es dat Kunst?“ Ich danke allen, die mich auf dieser Reise begleitet, die Artikel gelesen und mit meinem Instagram-Content interagiert haben!
Vielleicht bis bald.
Martin
