4 seltsame Statuen und wo sie zu finden sind

Allgemein

Es gibt Statuen an denen man vorbeigeht und vergeblich nach der Bedeutung oder dem Sinn sucht. So garantiert auch bei den Folgenden. Wer mal in Köln oder Bonn unterwegs war, wird garantiert einmal an mindestens einer vorbeigegangen sein. Ihre Bedeutung erfahrt ihr hier.

Statuen gehören mit zu den frühesten Formen der Kunst. Während die ersten Stauten einfache Schnitzereien aus Holz waren, wurde die Bildhauerei bald zur Darstellung von Gottheiten genutzt. Später ließen sich berühmte Persönlichkeiten (und die, die das Geld hatten) im wahrsten Sinne des Wortes ein Denkmal setzen. In der Renaissance kehrte man von der Heiligenverehrung des Mittelalters ab und widmete sich dem menschlichen Körper. Ein berühmtes Beispiel ist die Davidskulptur von Michelangelo. Im 20. Jahrhundert verzichtete man immer mehr auf die Abbildung von antiken Heldengestalten oder personifiziertem Nationalstolz, wie beim Hermannsdenkmal oder dem Niederwalddenkmal. Man konzentrierte sich mehr auf die Auseinandersetzung mit Träumen und der Arbeit mit neuen Materialen.
Die Statuen, die ich euch heute vorstelle, kommen aus allen oben genannten Epochen.

1. Das Brückenmännchen

Das Brückenmännchen findet man am Bonner Rheinufer. Die Statue zeigt einen Mann, der sein Hinterteil in Richtung der rechten Rheinseite streckt. Die Originalversion wurde 1898 an der ursprünglichen Bonner Rheinbrücke angebracht. Wie so oft im Rheinland ist der Ursprung dieser Statue pure Häme: Während der Bauarbeiten zur ersten Rheinbrücke konnten sich die BonnerInnen auf der linken Rheinseite nicht mit den BeuelerInnen auf der rechten Rheinseite auf einen Standort für die Brücke einigen. Beuel verweigerte die Zahlung für das gemeinsame Projekt. Die BonnerInnen bauten das Brückenmännchen, das der „schäl Sick“ den Hintern zustreckt, um die BeuelerInnen zu ärgern.


Das originale Brückenmännchen in einer Bonner Gaststätte | CC: Wikimedia Commons

Die Rache ließ nicht lange auf sich warten. Auf der Beueler Seite hing schon bald eine sehr grimmig blickende Waschfrau. In der rechten Hand hält das Brückenweibchen einen Pantoffel bereit, um ihn auf die Bonner Seite zu werfen. Beim Brückenweibchen handelt es sich übrigens noch um das restaurierte Original. Das Brückenmännchen ist ein Nachbau.

2. Die Eiswaffel am Neumarkt

Wer mal in der Kölner Innenstadt unterwegs war, hat dieses Kunstwerk garantiert mal gesehen: Auf einem Haus am Kölner Neumarkt klebt eine zehn Meter hohe und drei Tonnen schwere Eiswaffel. Die Skulptur des Pop-Art-Künstlerpaares Claes Oldenburg und Coosja von Bruggen wurde 2001 in der Domstadt platziert. Oldenburg ist dafür bekannt Alltagsgegenstände durch Monumentalisierung zu verfremden. So hat er bereits u.a. einen riesigen Schlauch, eine riesige Spitzhacke, einen riesigen Federball oder eine riesige Gartenschaufel aufgestellt.


Die Eiswaffel am Kölner Neumarkt | CC: Pixabay

Die „Dropped Cone“ wurde 2001 per Schiff aus San Francisco nach Köln gebracht. Die Spitze der Eiswaffel soll laut Coosja von Bruggen explizit an die Kölner Skyline mit all ihren Kirchtürmen erinnern. Ursprünglich waren sogar zwei Hörnchen geplant. Da eins alleine aber schon 1,5 Millionen Euro kostete, hat man das sicherlich noch einmal überdacht.

3. Das seltsame Etwas in der Bonner Innenstadt

Alle, die in der Bonner Innenstadt zwischen historischem Rathaus und Münster unterwegs sind, laufen zwangsläufig über den Remigiusplatz. Dort steht eine Statue, die bereits viele PassantInnen zu verwunderten Blicken inspiriert hat. Seit 2014 steht das gold-braune Gebilde wie eine eingefrorene Welle auf dem ehemaligen Kirchplatz.


Mean Average in Bonn | Foto: Martin Briel

Die Skulptur trägt den Namen „Mean Average“ und wurde vom englischen Bildhauer Tony Cragg geschaffen. Er ist dafür bekannt diese Art Statuen herzustellen. Cragg wollte dem geschäftigen Treiben des Remigiusplatzes mit seiner Statue die ruhende Selbstverständlichkeit der Kunst entgegensetzen. Das Werk fordere die Leute deswegen zur Auseinandersetzung mit ihm auf.
Übrigens ist das Banner-Bild dieses Blogs eine Nahaufnahme dieser Statue.

4. Die, die Spaß mit sich selbst hat

Das historische Rathaus in der Kölner Innenstadt kann man getrost mit dem Kölner Dom vergleichen. Seine Baugeschichte erstreckt sich nämlich auch über 800 Jahre. Der denkmalgeschützte Ratsturm wird von den Statuen historischer Personen geschmückt, die wichtig für Köln waren. Am Erdgeschoss finden sich u.a. herrschende Personen. Am ersten, zweiten und dritten Obergeschoss finden sich in chronologischer Reihenfolge Personen, die sich um die Stadt verdient gemacht haben. Ganz oben befinden sich im „Kölner Himmel“ die 22 Schutzheiligen der Stadt. Die „interessanteste“ Statue steht jedoch vor dem ersten Obergeschoss auf der Westseite. Dort findet man Erzbischofs Konrad von Hochstaden. An dieser Statue scheint zunächst nichts besonderes. Schaut man jedoch unter den Sockel, sieht man weshalb viele Leute von dieser Statue verdutzt sind: Man sieht (wieder einmal) einen Mann, der den PassantInnen den Hintern entgegen streckt. Jedoch bereitet sich dieser dabei oral selbst eine Freude.


Die Statue am Kölner Ratsturm | @WhoresofYore

Wer jetzt denkt, das sei ein neuerer Streich von KirchenkritikerInnen, liegt falsch. Das Original stammt aus dem Jahr 1410 und wird im inneren des Turms aufbewahrt. Ulrich Krings, der ehem. Stadtkonservator Kölns bestätigte der Berliner Morgenpost 2019, dass diese Art Motiv früher „ganz beliebt“ gewesen ist:
„Dabei ging es darum, der Obrigkeit quasi den Arsch hinzuhalten. Mit derber, zur Schau gestellter Sexualität sollte gezeigt werden, dass einem die Moral- oder auch Ordnungsvorstellungen der Obrigkeit wurscht waren.“
Die provokanten Figuren unterhalb des Sockels spielen meist auf die sieben Totsünden – in diesem Fall die Wollust – an. Irgendwie scheint es dann doch ironisch, dass der Ratsturm eine der beliebtesten Locations in Köln zum Heiraten ist.


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