„Was ist Kunst für dich?“ Diese Frage wird jede Person anders beantworten. Um möglichst viele dieser Antworten sammeln zu können, habe ich Leute in meinem Umfeld genau diese Frage gestellt. Das Ergebnis findet ihr alle zwei Wochen hier. Heute erzählen Tim und Simon von der Wirkung von Metal-Musik auf’s Gemüt und dem Wiedererkennungswert der Studio Ghibli Filme.
Es dat Kunst? (EdK?): Was ist Kunst für dich, Tim?
Tim (T): Kunst ist für mich eine Form sich auszudrücken und auch ein gutes Heilmittel, wenn es um Gefühle geht.
EdK?: Meinst Du das bezogen auf negative Gefühle?
T: Ja, vor allen Dingen negative Gefühle. Positive muss man ja oft nicht heilen.
EdK?: Welche Art von Kunst hilft deiner Meinung nach bei was am besten?
T: Zum Beispiel ist Musik machen in erster Linie ein Hilfsmittel jede Art meiner Gefühle auszudrücken. Aber natürlich auch um die negativen Gefühle, wie oben beschrieben, zu heilen.
EdK?: Welche persönlichen Erfahrungen hast Du damit schon gemacht?
T: Wenn ich am Klavier sitze und anfange zu spielen, merke ich eine langsame Befreiung meiner Seele. Mein Kopf wird immer leerer und ich muss somit nicht mehr so häufig an Situationen denken die mich bedrücken.
EdK?: Gibt es denn auch Musik, die das Gegenteil in dir auslöst?
T: Es kommt immer darauf an in welcher Gefühlslage ich mich befinde. Wenn ich zum Beispiel verärgert bin, höre ich gerne Metal, weil die entsprechenden Interpreten das Herumschreien für mich übernehmen. In einem solchen Fall wäre ruhige Musik vielleicht nicht angebracht.
EdK?: Metal als Heilmittel gegen Aggressionen? Meinst Du, dass wir alle mehr Metal hören sollten, um ruhiger zu sein?
T: Ja!
EdK?: Welche Interpret*innen/Songs empfiehlst du zum Abschluss?
T: ‚All my friends are dead‘ von The Amity Affliction. Ansonsten ‚Throne‘ von bmth* usw. Es gibt schon viele gute, aber jeder muss für sich selbst entscheiden was ihn beruhigt und was nicht.
~Tim, 22, arbeitssuchend
*bmth = Bring me the Horizon


EdK?: Was ist Kunst für dich, Simon?
Simon (S): Ich musste spontan an die Studio Ghibli Filme denken. Die sind allein visuell ein Meisterwerk. Von Animationen, Farbvermittlung zum Zeichenstil und Soundtrack. Außerdem auch teilweise die references zu anderen Kunstwerken (was halt stereotypisch ein Gesamtkunstwerk ist). Was es aber für mich noch mehr zur Kunst macht ist, dass es viele prägt. Die Storylines sind so vielfältig aber gleichzeitig auch menschlich. Vom Coming of age Narrativ bei ‚Chihiros Reise ins Zauberland‘, bis hin zur Bedeutung der Natur bei ‚Mein Nachbar Totoro‘ oder ‚Prinzessin Mononoke‘. Sie erlauben uns, uns selbst in vielen Aspekten wiederzufinden.
EdK?: In welchen denn zum Beispiel?
S: Coming of age zum Beispiel: Chihiro wird über den Film hinweg erwachsen und das hat für viele junge Zuschauer:innen ja einen Wiedererkennungswert.
EdK?: Glaubst du das gilt für Zuschauer:innen auf der ganzen Welt?
S: Die Art und Weise wie die Story umgesetzt ist, ist halt sehr spezifisch an die japanische (Pop)Kultur angelehnt. Obwohl z.B. japanische Zuschauer:innen noch mehr aus dem Film ziehen und sich wiederfinden, hat das auf z.B. westliche Zuschauer:innen einen ähnlichen Effekt.
EdK?: Warum glaubst haben Ghibli Filme diese Wirkung auf uns?
S: Ich glaub‘ Ghibli ist ja eigentlich nur eins von zig Beispielen in denen Menschen sich wiederfinden. Ghibli ist mir spontan nur eingefallen, weil’s eben als animierter Film nochmal mehr Kompositionsspielraum erlaubt. Also jeder Frame wird mit Acht animiert, die Farbe wird explizit gewählt, die Musik dafür extra komponiert. Und zusätzlich hast du halt noch die Plots, die eben noch mehr allgegenwärtige Themen behandeln mit denen man sich identifiziert. Es gibt, glaube ich auch recht viele „Theorien“ und Interviews mit Miyazaki unter anderem dazu, dass er z.B. oft in seinen Filmen leere Momente der Reflexion für die Charaktere und Zuschauer zugleich einbaut.
~ Simon, 23, Student
